Gemeinsames Lagebild für Data2Sea 2026
Zwei Wochen in der Ostsee: Von Sensordaten zu koordiniertem Handeln
Vom 13. bis 24. April fanden im Seegebiet vor Rostock Übungen zum Schutz Kritischer Überwasser- und Unterwasserinfrastruktur statt. Mehr als 50 Unternehmen, rund 100 Soldaten und Bundespolizisten sowie sechs Industriekonsortien arbeiteten an Szenarien, die zeigen sollten, wie Nationen, Behörden und Industrie gemeinsam kritische Infrastruktur auf See und im Hafen schützen können. Über alle Szenarien hinweg trug ein System das Lagebild: SitaWare Headquarters.
Die Data2Sea Challenge Weeks der Northern Naval Capability Cooperation (NNCC) wurden von der Deutschen Marine ausgerichtet und von SeaSEC in der Mecklenburger Bucht organisiert. Die Aufgabenstellung war ebenso klar wie anspruchsvoll: verteilte Sensordaten in koordiniertes Handeln überführen. Drei Challenges bildeten den Rahmen: Subsea Cable Protection, Platform Protection und Harbour Protection. Industrieteams aus Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden traten in diesen Szenarien an und erprobten dimensionsübergreifend datenzentrische Ansätze über das gesamte Spektrum maritimer Infrastruktursicherheit.
SitaWare als Rückgrat der Übung
Was Systematic bei Data2Sea von anderen Teilnehmern unterschied, war nicht die Beteiligung an einem einzelnen Konsortium, sondern die Rolle, die die Software über die gesamte Übung hinweg spielte. SitaWare Headquarters wurde gemeinsam mit SitaWare Maritime und SitaWare Fusion als Führungsinfrastruktur für die Übungsleitung (EXCON) eingesetzt. Blue Cell, Red Cell und White Cell, also die Stäbe, die die Erprobungen leiteten und auswerteten, arbeiteten über die gesamten zwei Wochen in einer gemeinsamen SitaWare-Umgebung.
Die Reichweite ging weit über den EXCON-Stab hinaus. Operative Nutzer aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Schweden übernahmen das System als primäres Führungsmittel. Die Bundespolizei, die in den Schutzszenarien neben Marinekräften eingesetzt war, wurde ebenfalls in dasselbe Lagebild integriert. Am Ende der Übung war SitaWare die einzige Plattform, die die Lage über alle Konsortien und Challenge-Bereiche hinweg in einem kohärenten gemeinsamen Lagebild zusammenführen konnte.
Datenfusion über Dimensionen, Behörden und Nationen hinweg ist kein Problem der Sensormenge. Die Herausforderung liegt in der Architektur. Das offene, standardbasierte Design von SitaWare ermöglichte es, Datenströme aus unterschiedlichen Konsortien, Dienststellen und Behörden in einem einzigen Lagebild zusammenzuführen, unabhängig vom Ursprung der Daten. So sieht datenzentrische Führungsunterstützung in der Praxis aus, und Data2Sea lieferte die Demonstration im Echtbetrieb.
FLAGSHIP Konsortium: Subsea Cable Protection
In der Subsea Cable Protection Challenge führte Systematic das FLAGSHIP-Konsortium, ein integriertes Team aus sieben europäischen Technologieanbietern, das eine der meistdiskutierten Fähigkeitslücken der europäischen maritimen Sicherheit adressiert.
Kabelschutz erfordert eine Detektionskette, die lange vor der eigentlichen Bedrohung eines Seekabelabschnitts beginnt. FLAGSHIP baute diese Kette durchgängig auf. ASN lieferte faseroptische Kabelsensorik mit dem OptoDAS-Interrogator und ermöglichte die Detektion von Meeresbodenstörungen und Überwasserfahrzeugen auf große Entfernung. HELZEL Messtechnik setzte einen HF-Überhorizont-Radar-Demonstrator zur Schiffsverfolgung jenseits der Sichtlinie ein. JDS Ship Monitor steuerte AIS-basierte Schiffsverfolgung und Risikoerkennung bei. Näher am Kabel operierten FLANQ und CiS Drone Systems unbemannte Überwasser- und Luftfahrzeuge mit 4D-Sonar und Kamerasystemen für Vermessung und Veränderungserkennung, während Teledyne schiffsgestütztes Fächerecholot und Bildsonar einsetzte. Blueye Robotics stellte Mini-ROVs für die Unterwasser-Zielidentifikation bei der Nahbereichsverifikation bereit.
Jede Fähigkeit adressierte eine andere Ebene des Problems: großräumige Überwachung, Schiffsgeräuschdetektion, Über- und Unterwasser-Identifikation und schnelle Verifikation. SitaWare Maritime verband diese Ebenen, indem es Sensordaten, Radartracks, AIS-Feeds und Ereignismeldungen zusammenführte, sodass das Konsortium als ein System arbeiten konnte statt als sieben einzelne.
Das Ergebnis war eine modulare und skalierbare Architektur. Jede einzelne Partnerfähigkeit könnte grundsätzlich auch anderweitig eingesetzt werden; was FLAGSHIP zeigte, war, wie sie sich zu einer koordinierten Detektions- und Reaktionsfähigkeit verbinden, wenn sie über eine gemeinsame C4ISR-Schicht integriert werden.
Konsortienübergreifende Beteiligung: Platform und Harbour Protection
Systematic war zudem Teil eines von HENSOLDT geführten Konsortiums und beteiligte sich an den Challenges Platform Protection und Harbour Protection. Diese doppelte Rolle, ein Konsortium zu führen und zugleich ein anderes zu unterstützen, verschaffte dem Unternehmen operativen Einblick über die gesamte Übung und bestätigte die Funktion von SitaWare als verbindendes Führungssystem über verschiedene Einsatzarten hinweg.
Es spiegelt auch ein übergreifendes Prinzip wider, das Data2Sea durchzieht. Kein einzelnes Industrieteam kann glaubhaft beanspruchen, jede Fähigkeitsebene für maritime Sicherheit allein abzudecken. Die Stärke des Modells liegt in der Interoperabilität: zwischen Konsortien, zwischen Behörden und zwischen Nationen. Das hat die Übung gefordert und bestätigt.
Ausblick
Die SeaSEC Data2Sea Challenge Weeks 2027 werden voraussichtlich in der Nähe von Karlskrona, Schweden, stattfinden. Für Systematic bleibt das Ziel klar: Es multinationalen Streitkräften, Behörden und Industriepartnern ermöglichen, aus einem gemeinsamen Lagebild heraus zu operieren. Welche Infrastruktur geschützt wird, welche Sensorik zum Einsatz kommt und welches Szenario die nächste Ausgabe bestimmt, ist zweitrangig. Entscheidend ist, die Architektur zu bauen, die jeden Sensor zusammenführt und wirksam macht.
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