Wie SitaWare Agentic AI vorantreibt
Von der Datenbasis bis zur Fachkompetenz: Systematic entwickelt die Agentic AI-Fähigkeiten, auf die Streitkräfte künftig angewiesen sein werden.
Agentic AI bietet erhebliches Potenzial für Streitkräfte und kann Fähigkeiten in den Bereichen Entscheidungsfindung, Kommunikation und darüber hinaus stärken. Die Technologie befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Ihre rasche Weiterentwicklung erfordert jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und Industrie, um die sich bietenden Möglichkeiten gezielt zu nutzen.
KI-Algorithmen sind bereits fester Bestandteil der SitaWare Suite: vom KI-gestützten Werkzeugkasten zur Unterstützung von Stabsprozessen bis hin zum maschinellen Lernen für die Anomalieerkennung im maritimen Bereich.
SitaWare Insight bietet bereits KI-gestützte Analysefunktionen für vielfältige Aufgaben, darunter die Steuerung des gesamten Aufklärungszyklus und die Unterstützung von Kommandeuren auf dem Gefechtfeld. Neue Funktionen ermöglichen es, mit einem LLM-basierten Chatbot, dem „Wingman“, zusammenzuarbeiten, unter anderem zur Unterstützung im Einsatz.
Agentic AI stellt jedoch einen deutlichen Entwicklungssprung dar und ist heute ein zentraler Schwerpunkt der Weiterentwicklung von SitaWare.
Henrik Sommer im Command & Control Podcast über KI und Wingman. Jetzt reinhören:
Was ist Agentic AI?
„Die KI-Systeme, die wir heute kennen, arbeiten vergleichsweise reaktiv. Sie sind darauf ausgelegt, Aufgaben auf Grundlage individueller Nutzereingaben auszuführen", erläutert Henrik Sommer.
Ein Vergleich aus dem militärischen Alltag verdeutlicht den Unterschied. In einem Stab planen Spezialisten: für die Geländeanalyse, für Nachrichtengewinnung und Aufklärung, für Führung und Logistik, Operationsplanung usw. Üblicherweise koordiniert ein Chef des Stabes diesen Funktionen. Er entscheidet, wen er einbezieht, und wartet auf die jeweiligen Zuarbeiten, bis schließlich ein Gesamtbild entsteht und eine Entscheidung vorbereitet wird. Agentic AI arbeitet anders. Sie erhält eine Aufgabe und identifiziert eigenständig, welche Agenten sie abfragen muss, welche Daten sie benötigt, wie sie eine Bewertung zusammenführt und was die Möglichkeiten des Handelns sind. Ohne dass ein Mensch den Prozess im Einzelnen steuert.
„Bei Agentic AI arbeiten mehrere KI-Agenten zusammen, um komplexe Aufgaben eigenständig zu lösen", so Sommer weiter. „Der Mensch bleibt in der Entscheidungsschleife. Aber die Technologie kann bei Bedarf auch mit minimaler menschlicher Interaktion arbeiten."
Diese Agenten lassen sich zudem so trainieren, dass sie etablierten militärischen Führungsprozessen folgen, etwa den NATO-Planungsverfahren nach APP-28 für taktische Landoperationen. Das schafft Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Anfangsphase.
Solche autonomen Fähigkeiten bieten Streitkräften erhebliche Vorteile, insbesondere bei der Analyse und Aufbereitung von Gelände-, Wetter- und Feinddaten.
„Ohne Datengrundlage braucht man über KI nicht zu sprechen"
Wie jede sich schnell entwickelnde Technologie stellt auch Agentic AI spezifische Anforderungen, allen voran an die Qualität der zugrunde liegenden Daten.
„Wer keine Daten hat, braucht über KI nicht zu sprechen", betont Sommer. „SitaWare hat hier einen klaren Vorteil: Die etablierte Infrastruktur unserer C4ISR-Software-Suite schafft die notwendige Basis."
Die SitaWare-Produktfamilie ermöglicht den Informationsaustausch von der strategischen bis zur taktischen Ebene und integriert Daten aus mehr als 50 Nationen.
„SitaWare ist einzigartig, weil es beim taktischen Führer an vorderster Front ebenso eingesetzt wird wie auf der höchsten gemeinsamen Führungsebene", erläutert Sommer. „Die Produktfamilie ist eng verzahnt: Sie erfasst Daten, verarbeitet sie und stellt sie zur Weiterverwendung bereit."
Systematic erprobt die Technologie seit geraumer Zeit. Dabei wird geprüft, ob die Agenten wirksam zusammenarbeiten, ob die Ergebnisse belastbar sind und an welchen Stellen Anwender den Menschen bewusst in den Entscheidungsprozess einbinden wollen, um KI-generierte Ableitungen zu prüfen.
„Bei jedem Einsatz von KI muss das Ergebnis bewertet werden: Ist es stimmig? Deshalb müssen wir experimentieren, denn KI birgt Risiken", so Sommer und zeigt die Gefahr sogenannter KI-Halluzinationen auf. Dabei handelt es sich um plausibel klingende, aber sachlich falsche oder irreführende Ergebnisse, die entstehen, wenn Systeme Informationen erzeugen, die durch ihre Trainingsdaten nicht gedeckt sind.
Digitale Resilienz als Grundlage
SitaWare-Software ist konsequent auf Resilienz ausgelegt – unabhängig davon, welche Konnektivität verfügbar ist. Für Streitkräfte im Multi-Domain-Operationen ist dies ein entscheidender Faktor. SitaWare ist dafür entwickelt, auch unter solchen Bedingungen zuverlässig zu funktionieren.
„Wer auf breitbandige Fernmeldeverbindungen angewiesen ist, kann sie in entscheidenden Momenten nicht zur Verfügung haben", erläutert Sommer. „SitaWare begegnet diesem Risiko durch SitaWare Tactical Communication, das Daten auch bei geringen Übertragungsraten und in DDIL-Umgebungen (Disconnected, Denied, Intermittent, Limited Bandwidth) übermitteln kann."
Entscheidend ist militärisches Fachwissen
Sommer betont, dass es entscheidend ist, mit Softwareunternehmen zusammenzuarbeiten, die sowohl die richtige IT-Kompetenz als auch das notwendige Wissen über Einsatzgrundsätze mitbringen. Im militärischen Kontext müssen Softwareunternehmen Agentic AI entwickeln, die in Multi-Domain-Operationen wirksam eingesetzt werden kann und Risiken bereits durch ihr Design mindert.
„C4ISR-Software ist hochkomplex, insbesondere wenn es um Interoperabilität geht", so Sommer. „Interoperabilität über Dimensionsgrenzen hinweg zu erreichen, ist anspruchsvoll, weil viele Bereiche nach wie vor als Insellösungen betrieben werden. Man braucht die richtige Fachkompetenz und ein fundiertes Verständnis der zahlreichen NATO-Standards, um diese Herausforderung zu lösen. Mit SitaWare haben wir das geschafft."
Die hohe Innovationsgeschwindigkeit im KI-Markt erfordert die Bereitschaft, unterschiedliche Ansätze zu integrieren. Systematic hat eigene KI-Algorithmen entwickelt, darunter einen Agenten zur maritimen Anomalieerkennung. Dieser wurde intern entwickelt, jedoch mit dänischen maritimen Daten trainiert und vereint so hauseigene IT-Kompetenz mit militärischer Erfahrung.
Darüber hinaus lassen sich auch Algorithmen von Drittanbietern in SitaWare einbinden, einschließlich KI-Modelle und Werkzeuge, die von Anwendern selbst entwickelt wurden. Die Software bietet die Möglichkeit, neue Algorithmen zu testen und zu integrieren. Angesichts der stetig wachsenden Entwicklungsgeschwindigkeit neuer KI-Modelle ist das eine herausragende Fähigkeit.
Am Anfang steht der Nutzer
KI-Fortschritte basieren auf enger Zusammenarbeit mit den Anwendern. Systematic liefert nicht nur einfach Software, sondern demonstriert seinen Kunden die Fähigkeiten im praktischen Einsatz. Bei einer sich so schnell entwickelnden Technologie wie KI ist das unverzichtbar.
„Der enge Austausch zwischen Nutzern und Systematic ist entscheidend, um die Produkte wirksam einzusetzen und ihr volles Potenzial auszuschöpfen."
So arbeitet Systematic im Rahmen des Battlelab-Konzepts eng mit militärischen Anwendern zusammen, erprobt die Software im praktischen Einsatz und vermittelt ihnen das volle Spektrum der Agentic AI-Fähigkeiten.
Sommer betont, dass diese Zusammenarbeit weit über die Einführungsphase hinausgeht.
„Wir liefern nicht einfach Software und sagen: ‚Wir haben einige Ihrer Leute geschult, jetzt machen Sie es selbst.' Der enge Austausch zwischen Anwendern und Spezialisten von Systematic ist entscheidend, um die Produkte wirksam einzusetzen und ihr Potenzial auszuschöpfen."
10.000 Wege, Agentic AI zu nutzen: Die Möglichkeiten erkennen
Mit der Erschließung neuer Anwendungsfelder für Agentic AI und wachsenden Anforderungen an neue Arbeitsabläufe wird die Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und spezialisierten Industriepartnern wie Systematic in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
„Für Agentic AI gibt es tausende denkbarer Einsatzmöglichkeiten", so Sommer. „Wir unterstützen Streitkräfte dabei, das Potenzial unserer Produkte zu erkennen. Das geschieht nicht allein durch Präsentationen, sondern durch den direkten Austausch mit dem Anwender."
„Am Ende geht es immer um das Zusammenspiel von Technologie, Doktrin und Organisation. Das gilt für Agentic AI ebenso wie für jede andere Innovation."
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